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Musik spiegelt Farben der Stille...


Die Faszination Klang und Rhythmus begleitet mich, solange ich denken kann. Im Laufe meines bewussten Umgangs mit Musik waren es dabei durchaus unterschiedliche Aspekte, die mich an der Musik interessierten: Emotionalität, Sinnlichkeit, Narration und Theatralik, Struktur und Form. Heute interessiert mich an Musik, an Kunst im Allgemeinen zunehmend die Möglichkeit, nach innen zu führen.

Mir ist vor allem Kunst nahe, die nicht das äußere, bisweilen etwas grobe Spektakel des Lebens bedient oder kopiert, kommentiert oder sich daran reibt, sondern unabhängig davon ihren eigenen Weg findet, ihre eigene Sprache, eigene Schönheit, Kunst, welche die ihr eigene Sinnlichkeit nutzt um über diese hinaus zu führen. Transzendenz, Herzensbildung, Besinnung und die Möglichkeit zu Einsicht und innerer Schau können Ergebnisse sein. Auch Mut zu Schönheit ist dabei für mich in der heutigen Zeit, da dieser Begriff kaum noch wirklich in seiner ganzen Tiefe eine Rolle spielt, ein wichtiger Aspekt. Dabei entscheidet sich die Frage nach Schönheit in der Musik für mich nicht nach Konsonanz oder Dissonanz und Kategorien wie altmodisch oder avantgardistisch, ernst oder unterhaltend interessieren mich nicht im Geringsten.

Das Wunderbare an der Kunst - und vielleicht gilt dies für die Musik mehr als für jede andere Kunstform, da sie mit abstrakteren Mittel arbeitet-, das Wunderbare an der Kunst ist die Möglichkeit, eine eigene Welt zu erschaffen, mit einer eigenen Logik, einem eigenen Verhältnis zu Zeit und Raum. Schönheit nun entsteht für mich, wenn diese eigene Welt in sich maximal stimmig ist, formvollendet könnte man sagen, doch hier geht es um mehr als nur vollendete Form: Wenn auch das Ungreifbare, das, was jenseits der kontrollierbaren Struktur liegt, innerhalb dieser Welt seinen Weg findet, dann lebt ein Werk, dann ist es für mich schön. Und so habe ich mir denn auch in meinem musikalischen Schaffen nie irgend welche stilistischen Grenzen auferlegt, führt doch die Festlegung auf einen bestimmten "Stil" unweigerlich zur Eingrenzung der musikalischen Mittel und somit der Ausdrucksmöglichkeiten.


Auf formaler Ebene besteht in den meisten meiner Werke kein wirklicher Unterschied zwischen dem "Material" oder "Thema" und dessen "Verarbeitung". Die strukturelle Entwicklung selbst ist mein Material. In jeder Keimzelle eines Stückes liegen bereits deren Entwicklung, deren Variationsmöglichkeiten begründet und umgekehrt spiegelt jede Veränderung die Möglichkeiten der vorherigen Gestalt. Formgebung und strukturelle Entwicklung sind keine unabhängig vom Motiv existierenden, intellektuell isolierten Prozesse sondern beides, Material und Veränderung, ist eine natürliche Einheit.

Dies ist eine sehr konsequente Arbeitsweise, die einerseits formale Beliebigkeit ausschließt, andererseits eine nahezu unendliche Vielfalt an musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zulässt. 


Die Brücke zu schlagen von Musik als archaischer Äußerung - im Ursprung Singen, Stampfen und Hände klatschen - zu einer heute hoch artifiziellen Kunstform, ohne dabei deren auch spirituelle Wurzeln zu verleugnen, empfinde ich als eine wunderbare Herausforderung.

Als Ideal empfinde ich, wenn sich der Hörer jenseits der Analyse der Musik anvertraut und den Mut hat, in jedem Augenblick ohne Erwartungen einfach mit der Musik zu sein.